Mirja Busch
Mirja Busch beschäftigt sich mit dem Phänomen der Pfütze – flüchtige Wassersammlungen, die durch Regen entstehen, sich ausbreiten und rasch wieder verschwinden.
In ihrer ortsspezifischen Recherche rund um den Wrietzensee richtet sie den Blick auf das, was bleibt: Ränder aus Schlick, pflanzliche Ablagerungen, Abdrücke im Boden.
Mirja Busch hat die Pfützen kartiert und drei Kategorien zugeordnet: kurzlebig, mittelständig und persistent. Diese Spuren machen den Untergrund lesbar und erzählen vom Zusammenspiel aus Wetter, Zeit und Landschaft.
Gehen, Beobachten und Dokumentieren sind Teil ihres künstlerischen Prozesses. Die Pfütze wird nicht nur als Spiegel, sondern als sensibles Archiv verstanden – ein Indikator für klimatische Veränderungen und topografische Besonderheiten.
Zusätzlich hat Mirja Busch Proben von zwanzig besonders langlebigen Pfützen gesammelt. Diese sind im „Pfützenarchiv“ im Feuerwehrhaus auf dem Gut Fergitz ausgestellt.
Pfützenarchiv | 1a
Objektinstallation
20 Glasflaschen
Feuerwehrhaus Fergitz
Nach dem Ende des Regens | 1b
Verteilte Objektinstallation
Acht blaue Kunststoffschilder an Pfählen
Verschiedene Standorte rund um den Wrietzensee
Stephanie Lüning
Stephanie Lüning arbeitet mit flüchtigen Materialien und prozessorientierten Verfahren. Am Wrietzensee realisiert sie eine zweiteilige Arbeit, deren Teile zeitlich versetzt, aber inhaltlich sowie physisch eng miteinander verbunden sind.
Im Mai 2025 goss sie flüssiges Bienenwachs direkt ins Wasser – eine ephemere Geste, bei der See, Wind und Wetter zu Mitgestaltern wurden. Die entstandene abstrakte Form wurde später in Metall gegossen und wird während der Ausstellung exakt an ihrem Entstehungsort im See präsentiert.
Rund einen Kilometer entfernt verwandelt Stephanie Lüning ein ausrangiertes Boot in eine Quelle schillernden Schaums, der sich ausbreitet, zerfällt und verschwindet. Beide Arbeiten kreisen um Themen wie Transformation, Vergänglichkeit und das Wechselspiel von Materie und Bewegung.
Wasser ist für Stephanie Lüning kein Abbild, sondern aktives Material – ein Medium im Zustand ständiger Veränderung, das die Grenze zwischen Form und Auflösung markiert.
Goldstück | 2a
Installation
vergoldeter Bronzeguss, basierend auf vor Ort entstandenem Wachsguss
Wrietzensee
Gestrandet | 2b
Installation
ausrangiertes Ruderboot
gefüllt mit Wasser/Schaum
Weg zum Wrietzensee
Marie Jeschke
Marie Jeschke arbeitet ortsbezogen mit Wasser als Produktionsraum. Ihre Malereien entstehen in verschiedenen Seen – beginnend mit ersten Unterwasserabdrücken im Oberuckersee, weiterentwickelt durch sedimentartige Farbschichten im Tonsee bei Berlin und abgeschlossen im Wrietzensee. Die Arbeit folgt dem Prinzip von Wiederholung und Weiterführung.
Auf dem Wrietzensee wird sie Teil einer performativen Installation, die auf dem Boot eines örtlichen Fischers stattfindet. Interessierte sind herzlich eingeladen, mitzufahren und die Arbeit aus nächster Nähe zu erleben. Marie Jeschke steuert es selbst über den See, lässt die Malerei treiben, auftauchen und wieder verschwinden. Der See wird zum Arbeitsraum und zur Trägerfläche zugleich.
Wasser ist dabei nicht Kulisse, sondern aktives Material. Die malerische Geste bleibt eng verknüpft mit Ort, Bewegung und Zeit. Die Arbeit ist Teil einer fortlaufenden Recherche über die Beziehung zwischen Körper, Landschaft, Natur und künstlerischem Prozess – eine Untersuchung darüber, wie Wasser Form annimmt, Erinnerung bewahrt und Sichtbarkeit erzeugt.
Zwischen Boot und Bild | 3
Malerei, ortsspezifische Intervention
Pflanzenpigment, Öl auf Leinwand
montiert auf einem Fischerruderboot
realisiert in Kollaboration mit dem Fischer vom Wrietzensee, Hr. Latendorf
auf dem Wrietzensee
HakkaMoon
In ihrer Arbeit „I long for you – transient ecologies“ widmet sich HakkaMoon der Steifborstigen Armleuchteralge (Chara hispida), die einst im Wrietzensee heimisch war, heute jedoch fehlt. Ihr Verschwinden verweist auf ein gestörtes ökologisches Gleichgewicht: Landwirtschaftliche Einträge, Dürreperioden und steigende Wassertemperaturen haben den See übernutzt, biochemische Prozesse verändert und fragile Lebensräume zerstört.
HakkaMoon versteht den See nicht als Kulisse, sondern als verletzten Organismus – als Gegenüber in einer ökologischen Krise. Ihre partizipative Textilarbeit ist ein Aufruf zur Verantwortung und eine Einladung: weg von Kontrolle und Ausbeutung, hin zu Fürsorge, Beziehung, gemeinsamem Handeln und gegenseitigem Austausch.
Wasser erscheint hier als sensibler Träger von Geschichte, Belastung und Hoffnung. Die Arbeit verbindet künstlerische Recherche mit gesellschaftlicher Fragestellung: wie können wir dem Wasser begegnen – aufmerksam, verbindlich, mit Blick auf das, was es braucht und an was es sich erinnert?
I long for you – transient ecologies | 4
Textilarbeit, partizipative Installation
Baumwollnessel, Faden, Rhabarber, Gewürze
Wrietzensee
Tanja Ostojić
Die Künstlerin Tanja Ostojić verbindet in ihrer Arbeit „Wrietzensee Tuch“ ökofeministische Theorie mit persönlicher, ortsbezogener Praxis. „Wrietzensee Tuch“ entstand im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem See: durch Schwimmen, Beobachten und Erinnern.
Ausgangspunkt ist eine gebrauchte IKEA-Tischdecke, die Tanja Ostojić in Berlin fand, reinigte, vorbereitete und schließlich bestickte. In das textile Gewebe sind die Form des Wrietzensees, Erfahrungen aus den Wechseljahren, generationsübergreifendes Frauenwissen und unmittelbare Eindrücke vom Wasser vor Ort eingearbeitet.
Die Stickerei wird so zum Medium der Reflexion – langsam, präzise und beständig. Wasser erscheint nicht nur als Thema, sondern als Mitgestalterin: als Trägerin von Erinnerung, Ort von Fürsorge und Veränderung.
Tanja Ostojić macht den See erfahrbar als Raum für Körper, Klima und kollektives Gedächtnis – und setzt einer Logik der Ausbeutung eine Praxis des Zuhörens und Verbindens entgegen.
Wrietzensee Tuch | 5
Stickerei und Zeichnung
auf Baumwolle („SOMMARFLOX 505.499.78, IKEA of Sweden, Made in Pakistan“, 2025)
Aktivierung: Samstag und Sonntag jeweils von 14–15 Uhr
Wrietzensee
Tine Günther
Unter dem Künstlerinnennamen Mylasher entwickelt Tine Günther mit „Wave of Venus“ eine keramische Installation, die sich auf den Ort und seine Umgebung bezieht. Neun geöffnete Becken aus Ton sind entlang der acht Himmelsrichtungen des I-Ging ausgerichtet; ein zentrales, größeres Gefäß bildet das Zentrum und öffnet einen imaginären Raum zu den anderen hin.
Die archaisch wirkenden Formen erinnern an Quellbecken oder kultische Speicher – Orte des Sammelns, Haltens und Zirkulierens. Wasser ist nicht sichtbar, aber in der Materialität des Tons gegenwärtig: als Spur, Formprinzip und innere Bewegung. Die Arbeit reagiert auf die Schwingungen der Landschaft – auf Uferlinien, Weite, Licht.
Die keramischen Körper ruhen in sich, ohne monumental zu wirken. Ihre stille Ordnung schafft ein Spannungsfeld zwischen Erdung und Ausrichtung. So entsteht eine ortsbezogene Choreografie, die das Verhältnis von Körper, Raum und Element in einer konzentrierten Geste erfahrbar macht.
Wave of Venus | 6
Skulptur, Installation
Glasierte Keramik, Hochbrand
Ton und Glasur
Wrietzensee
Ina Weise
Ina Weise lenkt mit ihrer Arbeit „Blaue Rohre“ den Blick auf technische Infrastrukturen, die tief in natürliche Wassersysteme eingreifen. Ausgangspunkt ist ein behelfsmäßiges, oberirdisches Leitungssystem zur Grundwasserabsenkung, wie es bei Bauvorhaben in Städten eingesetzt wird. Die auffälligen, meist blauen Rohre gehören dort längst zum gewohnten Stadtbild.
Ina Weise überträgt ein solches System in den landschaftlich sensiblen Raum am Wrietzensee im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Der Eingriff wirkt deplatziert – und ist doch bewusst und präzise gesetzt. Ohne technische Funktion, aber mit klarer skulpturaler Präsenz markieren die Rohre den Bruch zwischen Kontrolle und gewachsener natürlicher Umgebung.
Ina Weise interessiert sich für das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Verdrängung, zwischen Eingriff und Balance. Ihre skulpturale Intervention stellt grundlegende Fragen: Wer gestaltet die Landschaft – mit welchen Mitteln, aus welcher Perspektive? „Blaue Rohre“ ist kein Symbol, sondern ein konkreter, materieller Kommentar auf eine stille, aber folgenreiche Realität.
Blaue Rohre | 7
Installation
Blaue Entwässerungsrohre
Wrietzensee
Paulette Penje
Paulette Penje arbeitet mit dem Körper, mit Wasser und mit den Bedingungen des öffentlichen Raums. Ihre Performance in Fergitz nimmt den Entwässerungskanal als Ausgangspunkt – ein technisches System, das Wasser reguliert, umlenkt und ableitet. Die Künstlerin steigt in den Kanal, durchquert ihn und bewegt sich von dort triefend nass durch das Dorf. Dabei hinterlässt sie Spuren: Pfützen, Tropfen, eine feuchte Fährte. Ihr Weg wird zur performativen Zeichnung im Raum.
Die Geste ist zugleich präzise und übersteigert – ein Spiel mit Entgrenzung, Verletzbarkeit und Sichtbarkeit. „effluent“ ist eine ortsspezifische Arbeit über Durchlässigkeit, Kontrolle und das Verhältnis von Körper, Wasser und Öffentlichkeit. Paulette Penjes Praxis verbindet Elemente aus Malerei, Aktion und sozialer Skulptur.
Der Entwässerungskanal wird nicht nur durchquert, sondern zum Ausgangspunkt einer stillen Infragestellung: Wer fließt hier wohin – und was bleibt zurück?
effluent | 8
Performance
Fergitz
am Entwässerungskanal
Carolin Seeliger
Carolin Seeliger fragt nicht, wie man Landschaft abbildet, sondern wie sie sich selbst zeigen kann. Ihre Arbeit „Waterscapes“ besteht aus zwölf ihr überlassenen Frottee-Badetüchern, die sie vor Ort mithilfe der Technik der Cyanotypie bearbeitet hat. Die Textilien wurden lichtempfindlich präpariert und anschließend in natürlichen Wasserlandschaften belichtet – am Ufer des Oberuckersees, im Schilf, auf feuchtem Boden oder in der Sonne. Erde, Algen, Wind und Licht haben Spuren hinterlassen, die sich dauerhaft in das Gewebe eingeschrieben haben.
Während der Ausstellung liegen die Handtücher auf einer Wiese ausgebreitet – als wären sie eben von Badenden zum Trocknen hingelegt worden. In dieser Geste verbinden sich alltägliche Nutzung, künstlerisches Verfahren und landschaftliche Präsenz.
Carolin Seeligers Arbeit entsteht im engen Austausch mit dem Ort. Sie verzichtet bewusst auf Kontrolle und überlässt den Prozess den natürlichen Kräften. Die Tücher werden so zu Trägern eines stillen Dialogs zwischen Mensch und Umgebung.
Waterscapes | 9
Cyanotypie
10 gebrauchte Frottee-Badetücher
Fergitz
Ensemble Atonor
Atonor setzt sich mit den elektronischen und akustischen Klangobjekten seines Gründers Erwin Stache auseinander, die aus ihrer ursprünglichen Funktion aus- und in neue Welten einbrechen. Das Ensemble entwickelt auf dieser Grundlage ein außergewöhnliches Repertoire, welches sich über Genregrenzen hinwegsetzt, Hör- sowie Sehsinn gleichermaßen adressiert und eine Mischung aus Experiment, Klangkunst, Humor und rhythmischer Show darstellt.
Dementsprechend ist Atonor seit jeher auch auf sehr unterschiedlichen Veranstaltungsformaten in ganz Deutschland und darüber hinaus aktiv, stets mit dem Ziel, eine Situation zu erschaffen, in welcher das Publikum nicht weiß, worüber es mehr staunen soll: Über die Objekte selbst oder über die Art und Weise, wie sie eingesetzt werden.
Konzert | 10
Samstag, 19:40 Uhr
Pinnow Kirche
Erwin Stache + Atonor
Hoch empor ragen die Edelstahlstangen der Installation „Kilo Ohm“. Berührt man zwei von ihnen, erklingen Töne. Drückt man fester zu, verändern sich diese: Sie werden höher, schneller, dumpfer oder anderweitig verwandelt.
Nicht weit entfernt stehen drei „Klangtrampoline“. Jeder Sprung löst ein Geräusch oder Ton aus, die Instrumente wechseln beständig. So können perkussive Rhythmen, Flötenspiel oder elektronische Cluster springend erzeugt werden.
Über den Rasen zum Seeufer hin verteilen sich außerdem rosa Schwimmreifenflamingos, die eine Art meditative Melodie anstimmen: Den „Bandonesischen Schwanengesang“.
Diese skurrilen Installationen und zahlreiche weitere interaktive Klangobjekte kommen aus der Werkstatt des Leipziger Künstlers Erwin Stache. Ensemble Atonor, welches sich auf diese verrückten Instrumente spezialisiert hat, entführt in seinem Konzertprogramm in eine Welt voller ungewohnter und kurioser Dinge und Begebenheiten.
Klangobjekte | 11
Klangexperimente
Dauerausstellung
Garten Gutshaus Pinnow
Natalie Beridze
Die multidisziplinäre Künstlerin Natalie „Tusia“ Beridze ist ein Star in Georgien und zeigt uns das schwarze Meer in seiner schönsten, dunklen Melancholie. Sie ist Teil des georgischen Kreativlabors Goslab und Künstler:innenkollektivs Monika Werkstatt. Außerdem unterrichtet sie Songwriting und Musikproduktion am CES in Tbilisi, wo sie mit den Studentinnen die grandiosen Alben „Sleepers, Poets, Scientists“ kuratierte und veröffentlichte.
Seit 2004 tritt Beridze weltweit live auf und ist als erste weibliche Künstlerin für elektronische Musik aus Georgien bekannt. Von 2002 bis 2008 lebte sie in Köln, wo sie unter dem Künstlernamen TBA auftrat, komponierte und produzierte. Sie war Teil des „mail art“ Projektes von Ryuichi Sakamoto & David Sylvian bei chainmusic.
Bis heute hat Natalie Beridze 14 Alben veröffentlicht, unter anderem auf Max.E, Monika Enterprise, CMYK, Laboratory Instinct, CES Records und jetzt bei Room40. Beridze lebt und arbeitet in Tiflis.
Matineekonzert | 12
Sonntag, 13:00 Uhr
Pinnow Kirche
Elizabeth Davis
Elizabeth Davis / wilted woman ist eine Künstlerin und Musikerin, deren Arbeit sich häufig mit dem Zusammenspiel von technologischen Grenzen, algorithmischen Prozessen, Humor und menschlichem Ausdruck/Eingreifen als Thema befasst. Davis’ Output – hauptsächlich unter dem Pseudonym wilted woman von 2014 bis 2024 – lässt sich nur schwer kategorisieren und reicht von minimalistischer Elektroakustik und Kammermusik bis hin zu Harsh Noise und Tanzmusik.
Als Solokünstlerin und Kollaborateurin hat Davis bis heute über 20 Alben auf Labels wie Alien Jams, Primitive Languages / Psychic Liberation, Phantasy und Palto Flats veröffentlicht. Sie hat ihre Arbeiten unter anderem beim Sonic Acts Festival, im Cafe Oto, bei der Transmediale, im ZKM, im Fylkingen, bei MaerzMusik, bei der Triennale Milano, beim 3HD Festival und beim Südwestrundfunk sowie in vielen anderen Konzertsälen, Clubs und auf Festivals präsentiert.
Davis arbeitet auch als Ingenieurin, Pädagogin und Radioproduzentin. Zuvor leitete sie das Label untergang-institut und kuratierte gemeinsam mit Bridget Ferrill die monatliche Konzertreihe für elektronische Musik Power Loom im KM28. Sie lebt in Berlin. Elizabeth Davis war Teil des Residentinnen Programms vom Musicboard in Sternhagen Gut / Uckermark.
Konzert | 13
Samstag, 18:50 Uhr
Pinnow Kirche
Tilo Alpermann
Tilo Alpermann ist ein deutscher Komponist und Sounddesigner, der durch seine mehrfach preisgekrönten Soundtracks für Videospiele wie „The Night of the Rabbit“, „The Pillars of the Earth“ und „The Whistpered World: Silence“ einem breiteren Publikum bekannt wurde. Obwohl sein Repertoire verschiedene Musikstile und Genres umfasst, ist seine Art, einzigartige Musik und Klanglandschaften zu schaffen, immer unvergesslich.
Als Sounddesigner für Filme war er an internationalen Produktionen wie der für „The Bafta“ und den Golden Globes nominierten Film „Der Vorleser“ beteiligt. Tilo studierte Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, hat einen Abschluss in Tontechnik und arbeitet als Dozent für Filmton an der Hochschule Bremerhaven.
Floating – Intermission zu den Lesungen | 14
Improvisationen auf Harmonium und Co
Samstag, 12:45 + 13:45 Uhr
Pinnow Literaturscheune
Robyn Schulkowsky + Gebrüder Teichmann
Robyn Schulkowsky und die Gebrüder Teichmann weben akustische Netze aus Percussion, Klangobjekten und Live-Elektronik. Ihre Performances sind körperlich-sinnliche Erlebnisse – intensive Dialoge mit Raum und Publikum.
Andi und Hannes ahnten nicht, dass Robyn eine legendäre Perkussionistin ist – verbunden mit John Cage, Morton Feldman und Christian Wolff, mit Performances in der Grand Central Station und einem zweiwöchigen Konzert zur Expo2000 mit Schlagzeuger:innen aus aller Welt. Auch Robyn kannte die Brüder vorher nicht, ihre unkonventionellen Zugänge zur Elektronik oder ihre Projekte in Pakistan, Kenia und Zentralasien.
Die drei verstanden sich auf Anhieb – und sind nun gemeinsam mit einem mehrstündigen installativen Konzert in Fergitz zu erleben.
Konzert | 15
Tamtam, Perkussion
Andi & Hannes Teichmann: Live Elektronik, Live Sampling
Sonntag, 14:00–17:00 Uhr
Gutshof Fergitz
UMton CHOR / Special Guest: Gudrun Gut
UMton ist ein 2023 gegründeter Chor aus den Dörfern Groß und Klein Fredenwalde, Böckenberg, Willmine, Templin, Stegelitz, Neudorf, Ringenwalde etc. UMton probt im ca. zweiwöchigen Turnus in der alten Feuerwache Groß Fredenwalde und steht neuen Mitsänger:innen (vor allem Männerstimmen) offen. Der Chor singt – meist a cappella – ein gemischtes Repertoire aus Geistlichem, Weltlichem und Pop und tritt regelmäßig in Kirchen und auf Festen in der Uckermark auf.
Für das UM Festival wird das Thema Wasser aufgegriffen und als Premiere eine exklusive Zusammenarbeit mit Gudrun Gut aufgeführt. Die künstlerische Leitung des Chores hat Verena Usemann – Opernsängerin, Gesangspädagogin und Gründerin des Bühnenmütter e.V.
Konzert | 16
Special Guest: Gudrun Gut
Samstag, 19:20 Uhr
Pinnow Kirche
Yvois
Yvois ist eine in Aotearoa (Neuseeland) geborene und in Berlin lebende Produzentin. In ihrem Treetop Studio kreiert sie mit Sammlungen verstaubter Gitarrenpedale, trällernden Tape Machines und gefundenen Sounds warme, schräge Beats und stimmungsvolle akustische Klänge.
Sie ist außerdem die Gründerin der Éclat Crew Berlin – ein Kollektiv von FLINTA-Musikproduzent:innen. Yvois war Teil des Residentinnen Programms vom Musicboard in Sternhagen Gut / Uckermark.
Konzert | 17
Samstag, 18:10 Uhr
Pinnow Kirche
Thomas Fehlmann
Der musikalische Werdegang von Thomas Fehlmann wurde entscheidend durch seine Arbeit mit der Band „Palais Schaumburg“ geprägt. 1980 in Hamburg mit Holger Hiller gegründet, waren die erklärten Spielfelder grenzgängerisch, lustbetont und elektronisch. Fehlmann wirkt bis heute auch als Akteur der Berlin-Detroit Connection, arbeitete mit Terrence Dixon, Juan Atkins u.a. und war 20 Jahre Mitglied der britischen Band „The Orb“.
In den Nullerjahren produzierte Fehlmann mit Gudrun Gut die „OceanClub Radioshow“ für RadioEins. Er veröffentlichte dutzende Solo-Schallplatten auf dem Label Kompakt, gab in der ganzen Welt Konzerte und komponierte mehrere Filmsoundtracks, unter anderem für die TV-Doku „24h Berlin“. Zuletzt erschien das Album „UMDREHEN“ bei Edition Dur.
DJ Set | 18
Samstag, 20:30 Uhr
Pinnow Kirche
DJ Tagträumer²
Robert Stolt, alias Tagträumer², ist ein Musiker und DJ, der seit über 15 Jahren durch die Welt reist und seine Erlebnisse in einzigartige Klangwelten umsetzt. Inspiriert von seinen Auftritten in Ländern wie China, Libanon, der Mongolei und der Ukraine, verarbeitet er diese Eindrücke in seinen Produktionen und DJ-Sets.
Mit seinem Label BlackFoxMusic, gegründet 2007, und weiteren Projekten wie Schallbox Rec. und Neopren, prägt er die elektronische Musikszene. Sein DJ-Handwerk übt er ausschließlich mit Vinyl aus, egal wo er auftritt.
DJ Set | 19
Samstag, 13:00–16:00 Uhr
Gutshof Fergitz
Annett Gröschner
Annett Gröschners Roman „Schwebende Lasten“ ist ein vielschichtiges, atmosphärisch dichtes Werk, das sich mit den Umbrüchen der deutschen Geschichte und ihren unmittelbaren Aus- und Nachwirkungen auf das Individuum auseinandersetzt. Mit präzisem Blick und großer Empathie erzählt sie die Lebensgeschichte von Hanna Krause, die Blumenbinderin war, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte.
Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. In dieser Figur spiegelt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf eindrückliche Weise.
Schwebende Lasten | 20
Roman, C.H.Beck 2025
Gelesen von Annett Gröschner
12:00–12:45 Uhr
Literaturscheune (Scheune 1920) Pinnow
Caroline Schmitt
Ideologie, oder wie in Caroline Schmitts Roman „Monstergott“ der Glauben versus Fakten – dieses Spannungsfeld prägt unsere Gegenwart wie selten zuvor. Und in diesem Spannungsfeld leben Ben und Esther, die ein modernes Leben führen, aber auch eines in enger Beziehung zu Gott und dem, was er von ihnen erwartet.
Ben ist homosexuell – er versucht, sich seine Sexualität auszutreiben; Esther fühlt sich von der Gemeinschaft getragen, aber zugleich als Frau diskriminiert. Beide ahnen, dass sich der christliche Pfad als Schotterpiste des Lebens erweist.
Monstergott | 21
Roman, Ullstein Verlag 2025
Gelesen von Caroline Schmitt
13:00–13:45 Uhr
Literaturscheune (Scheune 1920) Pinnow
Kaleb Erdmann
Kaleb Erdmanns Roman „Die Ausweichschule“ ist die literarische Verarbeitung des Amoklaufes am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002. Der Erzähler erlebt diesen Tag als 11-jähriger Schüler an dieser Schule. Er wird mit seinen Mitschülern evakuiert und registriert in den folgenden Wochen die Hilflosigkeit der Erwachsenen im Angesicht dieser Tat.
Mehr als zwanzig Jahre später bricht das Ereignis völlig unerwartet erneut in sein Leben ein und löst eine obsessive Beschäftigung mit dem Sujet aus, das zu einem Romanprojekt werden soll; aber warum nach so vielen Jahren alte Wunden aufreißen?
Sein Roman ist ein gekonntes Spiel mit Perspektiven, ein Stück Autofiktion, das gleichermaßen publikumskritisch (wie voyeuristisch ist unser Interesse an der Aufarbeitung von Gewalttaten?) wie autokritisch ist (was gibt mir das Recht, über diesen Tag zu schreiben?). Der Text ist von enormer Wucht, jemand bewegt sich auf seine eigene Vergangenheit zu – vorsichtig, mit innerem Respekt, ohne Selbstgewissheiten.
Kaleb Erdmann stellt wichtige Fragen: wie verarbeiten wir Erinnerungen und Traumata – individuell, aber auch künstlerisch und als Gesellschaft. Pointiert, persönlich, erschütternd wird hier ein Phänomen verhandelt, das uns weltweit umtreibt.
Die Ausweichschule | 22
Roman, Ullstein Verlag 2025
Gelesen von Kaleb Erdmann
14:00–14:45 Uhr
Literaturscheune (Scheune 1920) Pinnow
Jackie la Mermaid
Jackie Asadolahzadeh ist Print- und Online-Autorin, Performancekünstlerin und Tänzerin. Sie entwickelte Kunstfiguren, wie die Meerjungfrau des Oceanclubs, für die sie Geschichten aus der Unterwasserwelt verfasste, sowie die Nachtlebenreporterin Jackie A., deren Kolumnen „Zwischen Disko und Dispo“ im Buch „Apple zum Frühstück“ beim Blumenbar-Verlag erschienen, und deren Nachfolgetexte bis heute im TIP-Stadtmagazin veröffentlicht werden.
Sie leitete Panel-Diskussionen für den Politischen Frauenrat im Potsdam-Museum und tanzte mit Schmerzpatientinnen beim Fibromyalgie-Kongress in der Stadthalle Falkensee.
Performance | 23
Samstag, 18:00 Uhr
Pinnow Kirche
Sounddesign: Thomas Fehlmann
Hörstationen
Hörstationen
Kennen Sie die Wassertherapie? Was ist Wasser überhaupt? Und wie kommt das Salz ins Wasser? Welche Rolle spielt Wasser in Kultur, Philosophie und Religion? Und, und, und…
Neues aus der Wasserwelt – schlauer werden mit Jackie la Mermaid an den Hörstationen, die in Fergitz und rund um den Wrietzensee sowie in Pinnow auf der Bühne zur Wissenserweiterung einladen.
Hörstationen | 24 – 28
Die 5 Hörstationen wurden von Ute Koenig kuratiert
und von Jackie la Mermaid produziert.
Sounddesign: Thomas Fehlmann
Samstag, 11:00–18:00 Uhr
Sonntag, 11:00–17:00 Uhr
Fergitz und rund um den Wrietzensee
Wasser ist…
Workshop mit der Aktiven Naturschule Prenzlau + Einstein Gymnasium Angermünde
Das UM-Festival inkludiert seit 2014 Schüler aus regionalen Schulen, um Veränderungen in der Umwelt mit neuen Impulsen und Werten zu teilen und initiatives Denken der Schüler durch kreatives Handeln zu fördern. Im Juli sind Schüler der Aktiven Naturschule Prenzlau und dem Einstein-Gymnasium Angermünde zu einer gemeinsamen Kunstprojektwoche auf Gut Fergitz zum Thema „WASSER ist nicht nur zum Waschen da“ zusammengekommen.
Das geopolitische Thema spielt in der Uckermark und im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin eine besondere Rolle. Durch Moorwirtschaft und Paludikultur entstehen neue Chancen für Bewohner und Wirtschaft. In Workshops wurden Techniken für alternatives Leben am Wasser erprobt. Impulse kamen durch Präsentationen von Wasser/Kunst/Architektur, Exkursionen mit der Naturwacht Warnitz, um Zugang zu Lebensraum Tier–Natur–Mensch oder zu einem Schilfdach, um altes und neues Handwerk zu vermitteln.
Initiiert wurde die Projektwoche von Ilona Kálnoky und Ferdinand Hohenzollern und begleitet von den Kunstlehrerinnen Anett Ohnesorge, Caro Grosse, Zoe Niemann und Kerstin Hahn. Das Projekt wurde von der Plattform kultureller Bildung Brandenburg gefördert.
Workshop/Ausstellung | 29
Sonntag, 12:30 Uhr
Gutshof Fergitz
WASSER – zwischen Dürren und Fluten
mit Dr. Fransiska Tannenberger, Dr. Martin Flade, Barbara Scherle
Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen der Wassernutzung – global gedacht, regional verankert.
Im Fokus steht nicht die Schwarzmalerei, sondern auch die Möglichkeiten für einen bewussten Umgang mit Wasser.
40 min Talk, 20 min Q&A, Moderation: Barbara Scherle
Zum Talk haben wir geladen:
Dr. Franziska Tanneberger ist Moorforscherin und leitet seit 2015 das Greifswald Moor Centrum. 2024 erhielt sie den Deutschen Umweltpreis.
Dr. Martin Flade ist Landschaftsplaner, Naturschützer und war von 2013 bis 2016 und 2018 bis 2024 Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin.
Barbara Scherle (Moderation) ist Chefin vom Dienst Hauptstadtbüro ProSieben/Sat.1 und produzierte die Online-Serie zur Biodiversität für das Futurium Berlin. Und sie ist seit langem überzeugte Uckermärkerin.
Talk | 30
Sonntag, 11:30 Uhr
Parkscheune Gut Fergitz
Insel 1 / Soundwalk – Stiftung Zukunft Berlin
Stadt-Land-(Daten-)Fluss: Gespräche über Berlin und Brandenburg
Mit einem „Sound Walk“ in Fergitz ist das Projekt „Shared or divided – geteilter Raum Berlin-Brandenburg“ der Stiftung Zukunft Berlin zu Gast beim UM Festival. Zu Wort kommen engagierte Akteur:innen aus Kultur, Politik und Zivilgesellschaft der Uckermark und Berlin, die zum digitalen Wandel Stellung beziehen. Sie sprechen über die Chancen der Vernetzung und den Verlust lokaler Strukturen im Korridor zwischen Brandenburg und Berlin, im ländlichen Raum und der Metropole.
Die zu einer Audioinstallation arrangierten Aufzeichnungen entstammen persönlichen und kontroversen Gesprächen über neue Nachbarschaften, Teilhabe und regionale Identität im digitalen Zeitalter, die im September 2024 in einem Zukunftslabor im Gutshaus Friedenfelde aufgezeichnet wurden. Die Ergebnisse dieses Austausches werden am 6. und 7. September 2025 in Form eines „Sound Walk“ erstmals öffentlich vorgestellt. Danach gibt es die Möglichkeit, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen.
Ergänzt wird die Audioinstallation am 6. September durch ein moderiertes Gespräch unter dem Titel „Hörstation zum Mitreden“ und am 7. September durch eine „Lesung zum Mitdenken“, bei der Autor Björn Kern aus seinem Werk „Das Beste, was wir tun können, ist nichts“ vorträgt.
Hörstation und Lesung | Insel 1
Samstag, 6. September: Eine Hörstation zum Mitreden
Sonntag, 7. September 15 Uhr: Eine Lesung zum Mitdenken
Unter dem Kirschbaum vor der „Bauakademie Fergitz“,
Barbara Schindler & Nikolai von Rosen
Träger des Projekts „Shared or divided – geteilter Raum Berlin-Brandenburg“ ist das Zukunftsforum Berlin-Brandenburg innerhalb der Stiftung Zukunft Berlin. Das Vorhaben wird gefördert von Kulturland Brandenburg und gemeinsam mit dem UM Festival, dem Gutshaus Friedenfelde, dem Oderbruchmuseum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur, dem Museum Utopie und Alltag, Beeskow/Eisenhüttenstadt, der Gebäudewirtschaft Eisenhüttenstadt, der Lausitziade gGmbH und weiteren Netzwerkpartnern durchgeführt.
Insel 2 / Outdoor Games mit Martin Eberle, Nina Rohde, Martina Schmücker, Katinka Pilscheur
OUTDOOR GAMES zeigt Arbeiten in einem weitläufigen, privaten Garten. Die beteiligten Künstler:innen sind der Uckermark verbunden und leben und/oder arbeiten in regelmäßigen Abständen in der näheren Umgebung. So entstand die Ausstellung als nachbarschaftliches Kollektiv. Die KunstKantine im Garten lädt dabei zur Pause ein.
Ausstellung | Insel 2
Martin Eberle, Fotografie
Nina Rhode, Sound & Installation
Martina Schmücker, Performance & Installation
Katinka Pilscheur & Kevin Stefan, Die KunstKantine
Die Insel Outdoor Games befindet sich am Potzlower Seenblick
zwischen Potzlow und Fergitz
Insel 3 / Greenhouse mit Jeroen Jacobs, Wolfgang Plöger
Jeroen Jacobs entwickelt Gestaltungsprozesse, in denen die Eigendynamik des Materials und die Energie der bildhauerischen Handlung im Widerspruch zum alltäglichen Materialverständnis stehen. Ziel ist ein eigener Ausdruck des Materials, in dem sich seine Eigenart mit kontrollierter skulpturaler Formgebung zu einem Ganzen verbindet.
Während Beton meist als präzise formbares Konstruktionsmaterial dient, thematisiert Jacobs in seinen Skulpturen dessen amorphe Tendenzen. Seine Arbeitsweise verdeckt oder überwindet die Formlosigkeit nicht, sondern macht sie sichtbar und physisch erfahrbar – die Skulpturen nehmen Raum ein, verdrängen, schaffen neue Räume und lenken die Bewegung der Betrachtenden.
Wolfgang Plöger hinterfragt Vorgefundenes und lotet die Hierarchien des Sichtbaren neu aus. Anstelle von Originalität verfolgt er eine Praxis der Kontextverschiebung. In seinem Langzeitprojekt Image Search Library untersucht er den Übergang vom analogen zum digitalen Bildregime und den Wandel von Autorschaft und Distribution im Netzzeitalter. Seine Hauptmedien sind Film, Fotografie sowie Drucktechniken – vom traditionellen Buchdruck über Serigraphie bis zum 3D-Print. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Ausstellung | Insel 3
Gewächshäuser Berta Fischer
Pinnow 4a
Insel 4 / Libken Stipendiaten mit Marie Donike und Johannes Specks
Wasser ist allgegenwärtig. Es kann sanft sein, es kann brutal sein. Als ehemalige Libken Kulinarik-Stipendiat:innen laden Marie Donike und Johannes Specks dazu ein, diese Ambivalenz sanft zu spüren zu bekommen. In ihrer gemeinsamen künstlerischen Arbeitsweise untersuchen sie kulturhistorische Aspekte der Kulinarik und Orte der Geselligkeit.
Aus einem installativen Aufbau wird ein ortsspezifisches Werk, das einen aktiven partizipativen Moment beinhaltet. Humor und das sanfte Verrücken von Sehgewohnheiten ermöglichen Zugänglichkeit und das Entstehen neuer eigener Perspektiven. Ihre theoretische und praktische Arbeitsweise umfasst auch das Sammeln und Verarbeiten von Lebensmitteln und eine vielschichtige Dokumentation dessen.
Marie Donike (*1992) und Johannes Specks (*1991) haben zusammen 2017 für drei Monate in Libken (Böckenberg/Gerswalde) im Rahmen ihres Kulinarik-Stipendiums gelebt. Die beiden arbeiten projektbezogen als Duo. Für das UM-Festival entwickeln sie eine ortsspezifische Installation im alten Feuerwehrhäuschen in Pinnow, die zur Verkostung einlädt.
Schweres Wasser schmeckt süß | Insel 4
Installation / ortsspezifische Intervention mit kulinarischen Elementen
Feuerwehrhaus Pinnow
Verkostung: Samstag & Sonntag, 11:00–15:00 Uhr
Insel 5 / Floating + Iris Schomaker
Auf der Insel „Floating“ wird das Buch The Water Runs Through Us: Experimental Water Filtration Systems and Practices an der Floating University vorgestellt. Floating: Wasser durchfließt uns…
Das Buch wurde von Katherine Ball verfasst und von Felix Egle gestaltet. Es erzählt Geschichten rund um das Thema Wasser, von der Gründung der Floating University Berlin bis hin zu alternativen Methoden der Wasseraufbereitung. Doch Technologie allein ist keine ausreichende Antwort auf die Herausforderungen unseres Umgangs mit Wasser – es fehlt oft die Beziehung zum Wasser selbst.
Am Samstag, den 6. September 2025, präsentieren Felix Egle (Grafikdesigner) und Kathrin Wildner (adocs Verlag) Materialien und Einblicke in das Forschungsprojekt zu organischen Wasserfiltersystemen an der Floating University Berlin, wir sprechen über persönliche Zugänge und den bewussten Umgang mit Wasser.
Kathrine Ball
The Water Runs Through Us: Experimental Water Filtration Systems and Practices an der Floating University Berlin
adocs Verlag Hamburg
2025
Ebenfalls auf der Insel 5 zeigt die Künstlerin Iris Schomaker ihre Arbeiten. Manchmal sind Bilder Gefährten. Sie schauen uns an und wir blicken zurück. Sie verwickeln uns in einen Dialog und eine Verbindung entsteht, leise und dennoch unübersehbar. Und dann nehmen sie uns mit auf eine Reise ohne vorgezeichneten Weg, ohne klares Ziel. Sie entführen uns in Landschaften, die zugleich vertraut und fremd erscheinen. Es liegt eine stille Magie in diesem Akt des Betrachtens, in dieser Begegnung, die nichts von uns verlangt, außer der Bereitschaft zu sehen – und uns dadurch berühren zu lassen, uns mitzunehmen zu uns selbst.
Die Bilder reihen sich aneinander und ihre Geschichten schreiben sich fort über die Blätter, die sich an den Rändern ihrer Erscheinung berühren – Formen und Konturen begegnen sich und gehen ineinander über. Auf diese Weise entsteht eine Beziehung über Bande, wie entfernte und doch vertraute Verwandte. Die Zeichnungen greifen ineinander, knüpfen Verbindungen und manchmal bilden sie Paarungen. So kommt der Schwimmer in die Landschaft. Seine Gestalt ist aufgehalten, festgehalten in der Bewegung und reicht doch als Präsenz über die Bildgrenze hinaus. Es gibt einen Widerhall in der Landschaft, die seine Bewegung aufzugreifen scheint. Die Gestalten in den Bildern weiten im tanzenden Denken traumwandlerisch ihren Möglichkeitsräume aus. Sie eignen sich ihre Geschichten an und geben sie weiter.
Fragment aus dem Text „Nach-Bilder“ von Mareike Dittmer, 2025.
Präsentation: Samstag, 11:00–17:00 Uhr Die Künstler zeigen Arbeiten aus verschiedenen Werkkomplexen. Von zentraler Bedeutung ist die Auseinandersetzung mit Erinnerung und Vergänglichkeit als Zeitdimension des menschlichen Daseins, so auch in der gemeinsamen Arbeit „in memoriam“, die an den Kunsthistoriker Wolfgang Siano (1948–2024) erinnert. Die fotografischen Räume, die Barbara Schnabel in ihren Bildern umreißt, sind von einer besonderen Fragilität geprägt. Mit ihrer präzisen Wahrnehmung offenbart sie subtile Veränderungen, die durch klimatische und gesellschaftliche Einflüsse entstehen. Diese Resonanzräume, die Geschichten von Transformation, Verlust und Hoffnung erzählen, korrespondieren mit den Arbeiten el.doelles aus den frühen 1990er Jahren, filigrane überstreckte Figuren aus Eisen und Bronze. Seine neuen Arbeiten kommentieren ironisch die zunehmenden globalen Krisen und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.
Barbara Schnabel, Fotografie Sich wie der Fisch im Wasser fühlen: Wie Forellen im Sternhagener See. Oder wie Barsche. Forellen sind stumm; aber sie hören ihre Beute und wittern die Gefahr. Barsche senden Signale, zwischen 100 und 500 Hz, beim Laichen oder zur Verteidigung – Schallwellen unter Wasserwellen. Egal wie prekär das Gefühl auch sein mag, wenn mal strömender, mal rar gesäter Regen auf die Fläche prasselt. Hören wir den Fischen zu. Im Sommer ein Primärerlebnis erhofften Eintauchens und zugleich unmöglichen Einverstanden-Seins: Wenn etwa das Wasser versiegt und versickert. Hören wir den Pflanzen zu. Was, wenn es im Inneren von Wasser (des H₂O-Moleküls) gar nicht nass ist? Was, wenn es nicht (be-)greifbar ist? Wasser als abstraktes, durchsichtiges, dissoziatives Medium, das Lautstärke reguliert: So spektografisch seine Teilchen, so akustisch seine Bindungen.
Rainer Bellenbaum, Sabeth Buchmann, Regina Dold, Stephan Geene, Susanne LeebFloating: The Water Runs Through Us | Insel 5
Ausstellung: Iris Schomaker
Scheune 1920, Pinnow
Insel 6 / Fragile mit Barbara Schnabel + eldoelle
Ausstellung | Insel 6
el.doelle, Skulptur
Scheune Pinnow
Insel 7 / „Stellt das Wasser lauter“ / Die Sterns
Die Sterns | Insel 7
Soundinstallation
4WE Pinnow